Mit Bildkarten erzählten wir einander davon, was unserer Meinung nach, in unserer Gesellschaft schiefläuft und von Verhaltensweisen, die anderen Menschen und der Umwelt schaden. Wir suchten nach ethischen Grundsätzen, die die Würde aller Lebewesen schützen und geeignet sind, mehr Glück, Liebe und Frieden in die Welt zu bringen.
Eine gelingende Begegnung mit anderen Menschen erfordert immer auch eine Selbstreflexion. Was ist mir wichtig? Welche Werte vertrete ich? Wie offen und tolerant bin ich? Bin ich bereit, auf andere zuzugehen? Welche Lebensweisheit hilft mir weiter? Woher nehme ich Kraft und Begeisterung für mein Tun?
Alt werden bedeutet Chance und Risiko. Das Leben mit Weisheiten zu füllen und es als Geschenk zu sehen ist die eine Seite, die eventuelle Gebrechlichkeit und Einschränkung anzunehmen, die andere. Das Leben bietet in seinen Jahreszeiten unterschiedliche Erfahrungen. Als Betreuerinnen und Betreuer wollen wir den Menschen helfen, diese bewusst und begleitet wahrzunehmen.
Die Themen Krankheit, Leid und Sterben begleiten uns im Berufsalltag und betreffen uns auch persönlich. Es ist schmerzhaft, aber auch schön, Menschen in diesen Phasen ihres Lebens begleiten zu dürfen. Wir brauchen reichlich Kraft, Demut, einen langen Atem und eine Sinndimension für unsere Tätigkeit im Pflegebereich.
Friedhöfe sind mit Emotionen beladene Orte. Bei unserem Lehrausgang wurden wir mit Urne und Sarg, mit Vergänglichkeit und Erinnerungskultur konfrontiert. Durch die Auseinandersetzung mit dem Tod wollen wir ein bewussteres Leben führen!
Wir haben inhaltlich die Grundlagen und die Vielfalt der Religionen beleuchtet. Mit Toleranz und Offenheit wollen wir einander begegnen. Der Glaube an uns selbst, an andere und an Gott kann Kraft und Hoffnungsquelle für unseren Alltag sein!
Der Lehrausgang zum buddhistischen Friedensstupa in Grafenwörth ermöglichte uns, Stille zu erleben, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft als ethische Grundpfeiler zu empfinden und ein Lächeln, als sichtbares Glückszeichen, mit nach Hause zu nehmen.
Religiöse Versammlungs- und Gebetshäuser vermitteln Stimmungen und Botschaften. Ob nun der Stupa, die Millenniumskirche, die ehemalige Synagoge oder auch die Moschee – wir konnten und können ein wenig von dem jeweiligen Geist erahnen, einige Vorurteile aufbrechen und abbauen sowie einiges kritisch hinterfragen.
Ein Blick in die ehemalige Synagoge und eine Tour durch St. Pölten (Steine der Erinnerung und Luftschutzkeller) half uns, dem damaligen Leben der Menschen im Allgemeinen und der Jüdinnen und Juden im Besonderen in den Jahren 1938 – 1945 nachzuspüren. Es ist uns ein Anliegen, Meinungen nicht unreflektiert zu übernehmen, kritisch zu denken und Diskriminierung und Hetze entgegenzutreten!
Menschen mit Behinderungen meistern ihr Leben oft in beeindruckender Weise. Dankbarkeit, Vertrauen, Lebensfreude und Aufmerksamkeit können wir von ihnen lernen. Integration, Inklusion und Würde sollen für uns nicht bloße Worte sein. Wir wollen die wichtigen Grundprinzipien – Begegnung auf Augenhöhe, Selbstbestimmung und Wertschätzung – in unserer Betreuungstätigkeit verwirklichen.
Das Kapitel „Pflegeethik“ beschritt die Reise zwischen Ideal und Realität. Eingehen auf individuelle Bedürfnisse, Zeit, Zuwendung, Selbstbestimmtheit und sinnerfülltes Miteinander bleiben oft wegen Überlastung, Überforderung und Motivationsschieflage auf der Strecke. Wir wollen uns trotz äußerer Schwierigkeiten unsere Einsatzfreude, zum Wohl aller, nicht nehmen lassen!
Was wir tun oder auch nicht tun können, „wenn die Welt Kopf steht“, haben wir bei der Landesausstellung in Mauer erfahren. Es zählt zu den kniffeligsten Herausforderungen, sich um ein stabiles psychisches Gleichgewicht zu sorgen, sich um Körper und Seele bestens zu kümmern!
Bunte Tücher und symbolische Gegenstände können den oft grauen Alltag unterbrechen, den Blick auf etwas lenken und zum Fragen anregen. Einen Knopf annähen, ein Bild aufstellen, an einem Parfüm riechen, Kresse anbauen, Lieder singen und vieles andere mehr kann dazu beitragen, dass Leben neu zu spüren. Wir wollen für uns selbst, aber auch für die uns anvertrauten Menschen, Rituale im positiven Sinn schaffen und erhalten. Wir wollen bewusst die Tage abwechslungsreich gestalten.
(Schülerinnen und Schüler des SOB 4 gemeinsam mit Mag. Martin Weber – Schuljahr 2025/26)
